Alles hat seine Zeit - Alles braucht seine Zeit 

Was wir von den Olympischen Spielen in München über Geduld lernen können 

Gute Ideen sollen heute schnell überzeugen.
Am besten sofort.
Tun sie das nicht, gelten sie rasch als gescheitert.

Scheitern wird dabei häufig persönlich genommen.
Wir binden es an uns selbst, an unsere Fähigkeiten, an unser eigenes Schicksal.

Doch darin liegt eine toxische Verkettung von Falschannahmen.
Viele Ideen sind keineswegs falsch, nur weil sie noch nicht zünden oder Erfolg haben.
Sie sind oft schlicht noch nicht bereit.
Es ist noch nicht ihre Zeit.

Als Otl Aicher Anfang der 1970er-Jahre das visuelle Erscheinungsbild für die Olympischen Spiele 1972 entwickelte, entwarf er auch ein Symbol. Klar, reduziert, systematisch – ganz in seinem Denken. Es handelte sich um eine Krone aus Lichtstrahlen.

Überzeugt von seinem Entwurf legte er ihn der entscheidungsbefugten Jury vor.
Doch diese lehnte ihn zunächst ab.

Daraufhin wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Neue Vorschläge, neue Perspektiven. Doch auch der Siegerentwurf konnte am Ende nicht überzeugen. Etwas fehlte.

Aicher ließ seine ursprüngliche Idee nicht fallen.
Aber er hielt auch nicht stur an ihr fest.

Er gab den Entwurf an den Kölner Designer Coordt von Mannstein weiter, der ihn überarbeitete und in die heute weltbekannte spiralförmige Form überführte. Kein kompletter Neuanfang. Kein Festhalten um jeden Preis. Sondern ein uneitles Weiterdenken.

Erst diese modifizierte Version wurde schließlich angenommen.
Sie wurde zum offiziellen Symbol der Olympischen Spiele 1972 – und prägt bis heute einen Teil ihrer visuellen Identität.

Bemerkenswert ist dabei weniger das Ergebnis als der Weg dorthin.

Aicher blieb seiner Überzeugung treu, ohne sie zu verabsolutieren.
Er hielt am Kern fest, war aber bereit, die Form zu hinterfragen.
Und er akzeptierte, dass der richtige Zeitpunkt nicht sofort gekommen war.

Diese Geschichte erinnert daran, dass Ablehnung nicht immer ein Urteil über Qualität ist. Manchmal ist sie ein Hinweis auf Reife. Oder auf Anschlussfähigkeit. Oder darauf, dass etwas noch einen Schritt Entwicklung braucht.

Dranzubleiben heißt nicht, unverändert zu bleiben.
Und Loslassen heißt nicht, die eigene Haltung aufzugeben.

Gerade in Führung und Selbstführung verwechseln wir Geduld oft mit Stillstand. Dabei ist Geduld häufig aktive Arbeit: beobachten, prüfen, anpassen, reifen lassen.

Vielleicht gilt deshalb auch hier:
Alles hat seine Zeit.
Und alles braucht seine Zeit.

Nicht jede Idee muss sofort überzeugen.
Aber jede gute Idee verdient die Chance, sich zu entwickeln – und manchmal braucht es erst den richtigen Zeitpunkt, damit sie ihre Wirkung entfalten kann.

 

[Verfasst und veröffentlicht am 18.12.2025; T. Rietz]

Wie der Kolibri zum Markenzeichen wurde

Die Kraft der Symbolik für unser eigenes Handeln und Wirken

 

Während der Recherche für diesen Blogartikel erinnerte ich mich an eine Zeit, die inzwischen rund fünfzehn Jahre zurückliegt. Damals studierte ich für eine kurze Phase Theologie und nahm an einem didaktischen Seminar teil, in dem wir uns mit der Abgrenzung von Zeichen und Symbol beschäftigten. Ein Symbol, so hieß es in der Definition, trägt neben einer offensichtlichen immer eine zweite Bedeutungsebene in sich – ein Geheimnis also, das es zu entschlüsseln gilt.

Zeit also, sich einmal mit dem kleinen Kolibri und dessen Bedeutungsebenen zu beschäftigen. Als ich Führung.im.Puls gründete und mir klar wurde, dass ich neben dem Schriftzug eine Symbol benötigen würde, dachte ich intuitiv sofort an den Kolibri als ein solches Symbol: er steht für mich für Leichtigkeit, Ausdauer und Freiheit. Doch, das waren meine ganz persönlichen Assoziationen. Wie sieht es mythologisch oder literarisch aus. Schaut man auf die mythischen Bedeutungen, wird der Kolibri mit Freiheit, Wachstum, Leichtigkeit, Fokus und Selbstführung in Verbindung gebracht. Das alles erscheint mir bereits stimmig. Aber irgendwie auch noch ein wenig zu oberflächlich und außerdem, woher kommen diese Assoziationen?

Nun, es gibt eine Geschichte, die dem Ganzen – wie ich finde – eine wirklich schöne Tiefe verleiht. Sie geht zurück auf eine Maya-Überlieferung:

Die Götter Tepeu und Kukulkan erschufen die Welt, stellten aber fest, dass sie eine Kreatur vergessen hatten – einen Boten zwischen den Göttern und den Menschen, ähnlich wie Hermes bei den Griechen. Also schnitzten sie einen Pfeil aus Jade, mit dem Botschaften überbracht werden sollten. Doch als sie die weggehobelten Späne wegpusteten, wirbelten diese in die Luft und formten sich zu einem kleinen bunten Vogel. So, heißt es, sei der Kolibri entstanden.

Von da an galt er als göttlicher Bote. Die Götter verboten es, einen Kolibri zu fangen oder zu töten. Und so wurde dieses winzige Wesen zum Sinnbild für Freiheit, Leichtigkeit und die Verbindung zwischen Inspiration und Handlung.

Ergänzend zu dieser mythischen Erzählung gibt es noch eine kleine Fabel, die mir besonders gut gefällt:

Eines Tages brach in einem Wald ein großes Feuer aus. Die Tiere standen hilflos davor und wussten nicht, wie sie die Flammen aufhalten sollten. Während sie das Feuer betrachteten, flog ein kleiner Kolibri zum nahegelegenen Fluss, füllte seinen Schnabel mit Wasser und ließ ein paar Tropfen über dem Feuer fallen. Immer wieder, unermüdlich, flog er hin und her.

Natürlich konnte der Kolibri das Feuer mit so wenig Wasser nicht löschen. Die anderen Tiere riefen ihm zu, dies sei sinnlos – sein Einsatz würde nichts bewirken. Doch der Kolibri antwortete:

„Das mag sein. Aber ich tue, was ich tun kann.“

Diese kleine Fabel finde ich gerade deshalb so bemerkenswert und eindringlich, weil sie zeigt, dass wir auch wenn wir selbst noch so unbedeutend und möglicherweise unwichtig erscheinen mögen, unseren Beitrag zur Bewältigung von Krisen leisten und als Inspiration für uns selbst und andere wirken können.

Ich finde, beide Geschichten – die mythische und die anekdotische – zeigen auf ihre Weise, dass im Kolibri eine große symbolische Kraft steckt. Zum einen steht er für Tatendrang, Ausdauer und Lebensfreude. Zum anderen für Freiheit, Leichtigkeit und den Mut, das Eigene zu tun, selbst wenn die Wirkung des Handelns noch so klein erscheinen mag.

All diese Bedeutungen sind mir wichtig. Und genau deshalb wurde der Kolibri zum Symbol von Führung.im.Puls.

 

Dein Takeaway

Gehe mit Freiheit verantwortungsvoll um, für dich und andere und: handle auch dann, wenn dein Beitrag noch so unbedeutend erscheinen mag, denn nur durch unsere aktive Vorbildfunktion für andere können wir selbst weiterkommen und andere voranbringen.

 

 

[Verfasst und veröffentlicht am 22.11..2025; T. Rietz]

Slackline oder Nachmittagsspaziergang 

Wie durch mutige oder kleine Schritte echte Veränderung bewirkst 

 

In der letzten Podcastfolge (Folge 7) habe ich das Thema Komfortzone und Disziplin besprochen. Da es ein starkes und wichtiges Thema ist, möchte ich hier noch einmal gezielt darauf eingehen.

Wenn du die Folge bereits gehört hast, weißt du, was es mit der Slackline auf sich hat. Falls nicht, möchte ich dieses Modell kurz vorstellen – es beschreibt sehr anschaulich, wie wir Gewohnheiten verlassen und Neues wagen können.

Da war der Familienvater Phil Dunphy, der den Traum hatte, auf einer Slackline zu balancieren. Er spannte das Seil zunächst dicht über dem Boden, sodass er bei jedem Versuch sicher abspringen konnte. Doch so sehr er sich bemühte: Immer wieder kam er aus dem Gleichgewicht und war kurz davor, seine Idee aufzugeben.

Sein Sohn Luke brachte dann einen entscheidenden Gedanken ein: Vielleicht fällt er nur, weil er fallen kann. Also spannte Phil das Seil deutlich höher – ein Sturz wäre nun schmerzhaft, ja gefährlich gewesen. Und siehe da: Es gelang ihm, über die Slackline zu balancieren.

Natürlich war das nur eine Szene aus einer Serie. Doch sie blieb mir im Gedächtnis, weil sie einen wahren Kern trägt:
👉 Nachhaltige Veränderung gelingt oft erst, wenn es keinen Weg zurück gibt.

Diese „Slackline-Methode“ erfordert Mut und passt nicht zu jeder Situation. Aber sie zeigt: Wenn das Scheitern existenziell wäre, entsteht Disziplin ganz automatisch. Voraussetzung ist allerdings, dass das Ziel wirklich deins ist – dass du tief in dir spürst, wofür du diesen Weg gehen willst.

Ich erinnere mich an einen Geburtstag vor ein paar Jahren. Dort erzählte ein Familienvater, er wolle seinen sicheren Job kündigen, um einen eigenen mobilen Imbiss zu eröffnen. Ich dachte damals: Das würde ich mich nie trauen – das kann doch nicht funktionieren.
Einige Jahre später erfuhr ich, dass er tatsächlich erfolgreich selbstständig war. Auch er war nach der Slackline-Methode vorgegangen: Er hatte die Fallhöhe bewusst gewählt – und sie hat ihn getragen.

 

Der Nachmittagsspaziergang – kleine Schritte, große Wirkung

Die zweite Methode, die ich etwas provozierend „Nachmittagsspaziergang“ genannt habe, ist wahrscheinlich die, die die meisten bevorzugen würden – auch ich.

Sie folgt Prinzipien, die u. a. von Charles Duhigg oder James Clear beschrieben werden:
Ziele, die mit Veränderung verbunden sind, erreichen wir am besten, wenn wir sie in kleine, machbare Schritte unterteilen.
Disziplin entsteht dabei nicht durch Zwang, sondern durch positive Verstärkung. Wenn wir ein gutes Gefühl erleben, will unser Gehirn dieses Gefühl wiederholen – und schon entsteht Motivation von innen heraus.

Das bedeutet:
👉 Nicht die Größe des Ziels entscheidet, sondern die Häufigkeit der kleinen Glücksmomente.

Feiere also deine kleinen Siege. Warte nicht, bis du dein großes Ziel erreicht hast, sondern freue dich über jeden Schritt auf dem Weg dorthin.

Duhigg nennt diesen Mechanismus den Habit Loop, bestehend aus den Phasen Cue (Auslöser), Routine und Reward (Belohnung). Ein Reiz löst ein Verhalten aus, das mit einer positiven Erfahrung verknüpft ist. So entsteht mit der Zeit eine stabile, lohnende Gewohnheit.

 

Beispiel aus der Führungspraxis: Die tägliche Reflexionsminute

Nehmen wir an, du möchtest als Führungskraft bewusster führen und weniger im Autopilot-Modus reagieren.
Statt gleich deine gesamte Arbeitsweise umzustellen, beginnst du mit einer Mini-Gewohnheit:
Am Ende jedes Arbeitstages nimmst du dir eine Minute Zeit, um drei Fragen zu beantworten:

  • Was ist mir heute gut gelungen?
  • Wo habe ich unbewusst reagiert statt bewusst geführt?
  • Wem sollte ich morgen aktiv Wertschätzung zeigen?

Nach wenigen Wochen spürst du, wie diese Routine deine Wahrnehmung verändert – du reagierst gelassener, erkennst Muster früher und wirst klarer in deinen Entscheidungen.
Das ist der Weg des Nachmittagsspaziergangs: kleine Schritte, große Wirkung.

 

Praktische Impulse für dich

Wenn du eine bestimmte Veränderung erreichen möchtest – also deine Komfortzone verlassen willst:

  1. Frage dich und notiere: Warum möchte ich das wirklich? Und welches Gefühl werde ich haben, wenn ich mein Ziel erreicht habe?
  2. Überlege: Bist du eher der Typ Slackline oder Nachmittagsspaziergang? (Beide Varianten haben ihre Berechtigung.)
  3. Handle entsprechend: Wenn du der Typ Slackline bist: Richte deine „Fallhöhe“ bewusst ein – und leg los. Wenn du der Typ Nachmittagsspaziergang bist: Plane kleine, konkrete Schritte und verknüpfe sie mit einer Belohnung.

Schon diese einfachen Schritte helfen dir, dir deiner selbst bewusster zu werden – und damit auch deine Führungswirksamkeit zu stärken.

 

Vertiefung im Podcast

Wenn du den Gedanken dieses Artikels weiter vertiefen möchtest, empfehle ich dir die Podcastfolge „Selbstorganisation im Alltag – Fokus, Prioritäten und Grenzen“ (Folge 9).

Darin geht es darum, warum Klarheit im Alltag oft wirkungsvoller ist als Disziplin – und wie kleine, bewusste Schritte dabei helfen, ins Handeln zu kommen, ohne sich selbst zu überfordern.

→ Zur Podcastfolge „Selbstorganisation im Alltag – Fokus, Prioritäten und Grenzen“
 

[Verfasst und veröffentlicht am 08.11.2025; T. Rietz]

Das Missverständnis mit dem Selbstbewusstsein

Wie eine Begriffsdefinition unser Handeln bestimmt

 

In meiner letzten Podcastfolge (Folge 5) habe ich darüber gesprochen, wie wichtig es für Führungskräfte ist, sich ihrer eigenen Mission bewusst zu sein. Denn nur wer weiß, wofür er steht, kann andere authentisch führen. Dabei erinnerte ich mich an eine Situation zu Beginn meiner eigenen Führungslaufbahn – und genau diese möchte ich hier als Aufhänger nutzen.

 

Eine Geschichte aus meiner Praxis

Ich saß damals mit einer Führungskraft eines anderen Fachbereichs in meinem Büro. Wir sprachen über das Thema Fehlerkultur. Ich erzählte ihm, dass ich kürzlich einen Führungsfehler begangen hatte, den ich aber zufriedenstellend lösen konnte.

Eine Mitarbeiterin war längere Zeit im Urlaub. Währenddessen nahm ich kleine Umstrukturierungen in den Zuständigkeiten vor – auch ihr Aufgabenbereich war betroffen. Ich ordnete die Umsetzung an und ließ ihre Fallakten aus dem Büro holen.

Als die Kollegin aus dem Urlaub zurückkehrte, hatte ich die Maßnahme verdrängt und versäumt, mit ihr das Gespräch zu suchen. Sie kam daraufhin zu mir ins Büro und beschwerte sich völlig zu Recht, dass ich sie übergangen hatte.

Die Lösung war einfach, aber entscheidend: Ich entschuldigte mich aufrichtig und räumte ihr die Möglichkeit ein, ihre Ideen und Vorschläge für ihr Aufgabenfeld einzubringen. So fanden wir gemeinsam eine gute Lösung.

Als ich diese Geschichte erzählte, sagte der Kollege zu mir:

„Du bist aber ganz schön selbstbewusst.“

Dieser Kommentar irritierte mich – und ich begann fast automatisch, mich abwehrend zu erklären.

 

Warum wir bei „Selbstbewusstsein“ oft aneinander vorbeireden

Was war passiert?

Wie viele Menschen auch verband ich mit „Selbstbewusstsein“ bis dahin ein lautes Auftreten, Durchsetzungsstärke oder gar Arroganz. Selbstbewusst wirkt in diesem Verständnis derjenige, der in Meetings das Wort an sich reißt und scheinbar immer die Kontrolle behält.

Doch mein Kollege meinte etwas völlig anderes. Für ihn war selbstbewusst, wer reflektiert und umsichtig auftritt – weil er ein klares Bewusstsein über sich selbst und seine Wirkung hat.

Das Missverständnis löste sich erst, als wir merkten: Wir hatten schlicht ein unterschiedliches Verständnis von demselben Wort.

 

Was Selbstbewusstsein im Kern wirklich heißt

Ein Blick ins etymologische Wörterbuch definiert Selbstbewusstsein als „mit klarem Verstand handelnd, wissend und reflexiv“ (Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache, 2025). Der Duden wiederum betont die Variante: „Überzeugtsein von den eigenen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“ (Duden, 2025).

Der Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein beschreibt das Phänomen folgendermaßen: „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“ (Luis Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen 1953) Genau das zeigt sich hier: Wir gebrauchen „selbstbewusst“ im Alltag oft ganz anders, als es ursprünglich gemeint war.

Der Kognitionswissenschaftler George Lakoff geht noch weiter: Er beschreibt, dass wir Wörter nie neutral verstehen, sondern immer durch unsere eigenen inneren Bilder und Erfahrungen (George Lakoff, Don`t think of an elefant, 2004). Wenn also jemand „selbstbewusst“ hört, denkt der eine an Dominanz und Rampenlicht – während der andere an innere Klarheit und Gelassenheit denkt.

Diese unterschiedlichen „Dekodierungen“ erklären, warum wir so oft aneinander vorbeireden – und warum das Missverständnis rund um Selbstbewusstsein so hartnäckig bleibt.

 

Wer hat also nun Recht? 

Vermutlich wir beide. Denn unabhängig davon, welche Bedeutungsvariante man zugrunde legt: Selbstbewusstsein bedeutet, die eigenen Werte, Stärken und Grenzen zu kennen – und diese bewusst in Entscheidungen und Handlungen einfließen zu lassen.

Im Positiven führt das zu Klarheit, Gelassenheit und Authentizität. Im Negativen kann es auch in Lautstärke, Dominanz und wenig Reflexion münden. Die Frage ist: Nutzen wir unser Selbstbewusstsein konstruktiv und reflektiert – oder egoistisch und destruktiv?

 

Wie Missverständnisse Führung gefährden

Gerade in Führungssituationen führt dieses Missverständnis zu Problemen:

  • Falsche Vorbilder: Oft steigen die Lauten auf, nicht die Reflektierten.
  • Rollen spielen: vor allem Junge Führungskräfte glauben, sie müssten bestimmte Kriterien erfüllen, um stark zu wirken.
  • Vertrauensverlust: Teams spüren, wenn jemand eine Rolle spielt. Authentizität geht verloren.

Wer Selbstbewusstsein mit Arroganz verwechselt, verpasst die Chance, echtes Vertrauen aufzubauen – und damit auch echte Wirksamkeit.

 

Wie echtes Selbstbewusstsein in Führung wirkt

Echtes Selbstbewusstsein zeigt sich anders:

  • Selbstreflexion: Ich kenne meine Werte, Ziele und Grenzen.
  • Innere Stabilität: Ich muss mich nicht über Lautstärke oder Macht definieren.
  • Mut zur Verletzlichkeit: Ich kann Schwächen eingestehen, ohne an Autorität zu verlieren.

Das Ergebnis ist eine Führung, die gelassen, klar und glaubwürdig wirkt. Menschen folgen nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen.

 

Praktische Impulse für dich

Wenn du dein Selbstbewusstsein als Führungskraft stärken möchtest, probiere drei kleine Schritte:

  1. Frage dich: Wofür stehe ich und in welchen Situationen spiele ich vielleicht eine Rolle, die nicht zu mir passt?
  2. Beobachte dich eine Woche lang: Notiere dir Momente, in denen du dich besonders klar und sicher gefühlt hast. Was war die Grundlage dafür?
  3. Hole Feedback ein: Frag Menschen, die dir vertrauen, wann du besonders authentisch wirkst.

Schon diese einfachen Schritte helfen, dich deiner selbst bewusster zu werden – und damit deine Führungswirksamkeit zu steigern.

 

Dein Takeaway

Echtes Selbstbewusstsein ist kein Auftritt, sondern ein Zustand der Klarheit.

Und genau hier liegt der Schlüssel: Wer Klarheit über sich selbst hat, wird automatisch auch klarer in seiner Führung.

 

[Verfasst und veröffentlicht am 25.08.2025; T. Rietz]

Das weiße Blatt

Die Frage nach der Energie aus dem Neubeginn

 

Eine Geschichte zu Beginn

Als ich vor einigen Jahren mein dreijähriges berufsbegleitendes Masterstudium absolvierte, fühlte ich mich oft wie in einem endlosen Hamsterrad. Der Ablauf war immer gleich: vier Wochen Theoriemodul, anschließend drei Wochen Hausarbeit – und sobald die eine Aufgabe erledigt war, wartete schon die nächste.

Und jedes Mal begann es gleich: Ich saß vor einem weißen Word-Dokument und wusste, jetzt geht es wieder von vorne los. Recherche, Gliederung, Formulierungen. Der leere Bildschirm wirkte auf mich manchmal entmutigend. Ich schob die Arbeit hinaus, in der heimlichen Hoffnung, dass sich das Thema vielleicht von selbst erledigen würde. (Spoiler: tat es natürlich nicht.)

Doch das weiße Blatt hatte auch eine andere Seite: Es bedeutete nicht nur Druck, sondern auch Freiheit. Ein Neubeginn. Die Möglichkeit, wieder von vorne zu starten und Dinge besser zu machen. Lief ein Modul nicht so rund oder fiel die Bewertung schwächer aus, als erhofft, konnte ich beim nächsten Mal einen neuen Versuch wagen. Dieses Gefühl, immer wieder neu beginnen zu können, schenkte mir Motivation – und mit der Zeit auch Routine.

 

Meine Learnings

Diese Erinnerung gibt mir bis heute zwei einprägsame Erkenntnisse:

Manchmal gilt es, die Dinge einfach anzupacken. Warten hilft nicht – wir müssen sie selbst in die Hand nehmen. Je eher desto besser, um schnell Raum für anderes zu schaffen.

Manchmal liegt gerade im Neubeginn das größte Energiepotenzial. Denn ein unbeschriebenes Blatt eröffnet die Chance, eigene Ideen, Werte und Vorstellungen zu gestalten.

So oder so: Entscheidend ist, sich seiner eigenen Mission bewusst zu sein. Sie beantwortet die Frage nach dem „Warum“ einer Aufgabe. Warum also sollte das Blatt beschrieben werden? Welches konkrete Potenzial steckt im Ergebnis? Diese Fragen sind Ausdruck "des Säens und des Erntens".

Auch diese Webseite startet mit einem weißen Blatt. Noch ist hier wenig gefüllt – und doch liegt gerade darin die besondere Chance: Eine Geschichte beginnt. Schritt für Schritt wächst hier etwas – Impulse, Gedanken und Erfahrungen rund um Mission, Selbstführung und Führung.

 

Das Bewusstsein für Selbstführung

Führungskräfte kennen dieses Prinzip nur zu gut: Jedes Projekt, jedes Teammeeting, jede neue Rolle beginnt gewissermaßen mit einem weißen Blatt. Die entscheidende Frage lautet: Füllen wir es mit alten Mustern – oder nutzen wir die Chance, neue Wege zu gehen?

Selbstführung bedeutet, sich dieser Entscheidung bewusst zu sein und aktiv nach einer Antwort zu suchen: Verharre ich im Gewohnten oder schreibe ich eine neue Geschichte? Führungskräfte, die den Mut haben, das weiße Blatt wirklich zu nutzen, schaffen Räume für Kreativität, Entwicklung und Veränderung – für sich selbst und für ihr Team.

Und vielleicht steckt genau darin die schönste Erkenntnis: Jeder Tag bietet uns die Möglichkeit, ein weißes Blatt aufzuschlagen und eine neue Geschichte zu schreiben.

Die Frage ist nur: Was würdest du heute auf dein Blatt schreiben?

 

Deine Takeaways

Hinter jeder Aufgabe steckt eine Mission. Finde sie, um dir den Nutzen der Erfüllung bewusst zu machen.

Erledige Pflichtaufgaben möglichst schnell, um Raum für das Wesentliche und Gestaltbare zu gewinnen.

 

Und jetzt bist du dran! Viel Spaß beim Umsetzen.

 

[Verfasst und veröffentlicht am 20.08.2025; T. Rietz]

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